

HIER FINDET MAN TEIL 1 DES INTERVIEWS. Im zweiten Teil des Interviews gibt er weitere Auskunft zu seiner elektronischen Passion namens A-U-T-O-B-A-H-N.

Rainer Sauer: Ich denke, niemand kann einem Mike Oldfield etwas beibringen. Wenn, dann macht er dies selbst. Unser Kontakt 1981 bis 1983 beschränkte sich auf technische Dinge und ich half ihm bei Fragen zu deutschen Musikinstrumenten, vermittelte ihm Kontakte und so weiter. Dafür hat er sich mit einer handgeschriebenen Widmung auf einer Velvet Universe Platte bedankt und das hat uns beim Plattenverkauf in Großbrittanien sehr weiter geholfen. Gelernt habe ich von ihm, dass man sich bei seiner musikalischen Arbeit nicht verfransen, verzetteln darf. Jeder Synthesizer, hat er mir mal erklärt, hat nur drei gute Klänge. Auch wenn es sich so anhört, als seien es 300, sagte er zu mir. Und das beherzige ich heute noch. Selbst wenn ein neues Gerät so verlockend ist, hundertfach damit zu experimentieren, ich nutze von jedem meiner Geräte nur drei Sounds. Das spart wirklich viel Zeit und das habe ich Mike Oldfield zu verdanken.
Wie stehen Sie zu Sampling und Copyright-Debatten bzw. was waren Ihre ersten Gedanken, als Anfang der 90er die kreative Nutzung von Musik- und Gesangssamples rechtlich gesehen bereits deutlich eingeschränkt wurde? Und inwieweit plädieren Sie vielleicht sogar für eine unentgeltliche Nutzung von urheberrechtlich geschätztem Material in Form von Samples?
Ich habe das damals hautnah miterlebt. Schon Ende der 80er Jahre war das ja nicht frei. Als ich für Westside Records gearbeitet habe und das Mayday-Projekt aus der Taufe hob, hatte zum Beispiel die Band OKAY! - auch eine Entdeckung meiner Nachwuchsförderung - Probleme, als sie Sprachfragmente vom 1954er Fußball-WM-Endspiel verwendeten, "...aus dem Hintergrund müsste Rahhn schießen, Rahn schießt - Toor, Toor, Toor",

Jetzt haben sie das Projekt A-U-T-O-B-A-H-N in's Leben gerufen, sind, soweit ich weiß, sogar bei der Deutschen Gesellschaft für Sprache offizieller Wortpate geworden für das Wort 'Autobahn'. Was hat der Hörer hier zu erwarten? Hat das viel mit der Gruppe Kraftwerk zu tun?
Letzteres eher weniger. Die haben mal eine LP veröffentlicht, die "Autobahn" heißt und weltweit erfolgreich war. Das ist nun auch schon Jahrzehnte her und das wäre schlichtweg blöd, wenn ich die nachspielen würde. Meine 4-KLANG A-U-T-O-B-A-H-N ist eine Metapher für den Weg, den die Elektromusik zurückgelegt hat von den 1960er Jahren bis heute. Ich habe das in vier Zeitphasen unterteilt:

Ist Ihre heutige Musik, die SIe im Rahmen des A-U-T-O-B-A-H-N Projektes spielen, anders, als die Musik , die Sie früher gemacht haben?
In meiner Musik ist, abgesehenen von einigen klanglichen Parametern, die das Soundspektrum erweitern, alles beim Alten geblieben. Technisch betrachtet sind es aber anstelle des EMS VCS 3 Synthesizers, den ich in den 80ern recht intensiv verwendet habe, inzwischen meine drei roten CLAVIA Nord Racks, virtuell-analoge Klangerzeuiger, die ich oft einsetze. Es ist jeweils ein Nord Rack 1, ein Nord Rack 2 und ein Nord Rack 3, weil jedes dieser Geräte zwar ähnlich zu den anderen aussieht, aber eine völlig differente Klangerzeugung hat. Dann setzte ich heute auch vermehrt auf andere virtuell-analoge Geräte wie Creamware Synthesizer und Doepfer Sequencer. Virtuell-analog heißt, dass die Geräte digital funktionieren, aber echte Dreh- und Schieberegler haben und man mit diesen den Klang real beeinflussen kann, so wie es früher bei den analogen Synthesizern die Regel war. Und dann habe ich bei jedem Konzert meine ARTURIA Sachen dabei, das große MOOG Modularsystem oder die Analog Factory. Wunderbare Klangerzeuger.
Ist die aktuelle Musikbewegung für Sie heute relevant?
Die aktuelle Musikbewegung - bei der ich mich manchmal frage: wo ist da überhaupt die Bewegung? - interessiert mich nur insoweit, wie ich mich darin wiedererkenne. Bei Brian Eno kann das zum Beispiel der Fall sein oder bei den Gorillaz.

Ach du Schreck, was für eine allumfassende Frage. Vor allem das mit dem "Werdegang". (Sauer denkt nach!) Ich habe da leider keine Antwort parat. Hätte ich eine, könnte ich damit viel Geld verdienen. Um es abzukürzen: Klaus Schulze ist heute Mitte Sechzig, Edgar Froese von Tangerine Dream wird bald Siebzig, Jean Michel Jarre und Ralf Hütter von Kraftwerk sind auch schon im Rentenalter, Kraftwerk-Epigone Florian Schneider hat sich sogar schon zur Ruhe gesetzt. Im Grunde sollte man zu diesen Fakten auch noch sagen, dass es - wohl auch aufgrund der langen Zeit, in der diese Leute aktiv sind - zwischen ihnen oft genug verbale und non-verbale Auseinandersetzungen gibt. "Froese ist böse" war einmal in den Siebzigern eine Schlagzeile im Fachblatt Musikmagazin und war darauf bezogen, dass man dort Fotos von Ihm verwendet hatte und er dies nicht in Ordnung fand.

Was konkret dürfen wir von Rainer Sauer in nächster Zeit erwarten?
Nun ja, im Grunde tatsächlich nur das A-U-T-O-B-A-H-N Projekt. Ich wollte das schon so lange auf die Bühne bringen, dass ich froh bin, es jetzt endlich geschafft zu haben. Und dann möchte ich natürlich gesund bleiben, denn ich liebe es, Konzerte zu spielen.
Vielen Dank für das ausführliche Interview und weiterhin frohes Schaffen und viel Erfolg.
Ich bedanke mich ebenfalls für das freundliche Interesse.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen