

Während der US-Investor, obwohl er nur 27 Prozent an INTERSHOP-Aktion besitzt, alle drei Aufsichtsratsplätze mit eigenen Leuten besetzen wollte, hatte eine andere Aktionärsgruppe unabhängige Vertreter beantragt. Da aber die Aktien weltweit verstreut sind und viele Kleinaktionäre, die in den 90er-Jahren Papiere des einstigen Börsenstars gekauft hatten, sich nach deren Wertabsturz aber kaum noch für ihre INTERSHOP Aktion interessierten, keine Lust haben, zu Hauptversammlungen nach Jena zu kommen (dazu nun schon zum dritten Mal innerhalb von zehn Monaten) war befürchtet worden, dass GSI leichtes Spiel hätte, seine Leute durchzuwinken.

Einen Burgfrieden soll es aber deshalb geben, weil die Amerikaner zumindest nervös wurden und hinter den Kulissen mit der Aktionärsgruppe um Roland Klaus verhandelten. Gestern einigten sich beide Seiten dann auf einen gemeinsamen Kandidaten: den amtierenden Aufsichtsratschef Dr. Herbert May, einst Vorstandsmitglied der Deutsche Telekom AG. GSI Commerce wird also wohl "nur" zwei der drei Aufsichtsratsplätze Plätze erhalten und May bleibt weiter im Aufsichtsrat. Gegenstand des Deals ist auch, dass beide Seiten ihre Sonderprüfanträge zurückziehen.
Laut einer Meldung der OTZ vom heutigen Montag steht GSI Commerce im übrigen derzeit ohnehin unter erheblichem Druck, wurde kürzlich von US-Analysten herabgestuft. Ein negativer Ausgang des Machtkampf hätte für die INTERSHOP AG mitunter fatale Folgen mit sich gebracht, denn sollte der US-Investor seine 7,8 Millionen INTERSHOP-Aktien aus finanziellen Gründen "auf den Markt werfen" müssen, dann wäre ein Absturz des Jenaer Papiers kaum zu verhindern gewesen mit allen Folgen für sämtliche Aktionäre.

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